Heizkörper für Niedertemperatur-Wärmepumpen: Wann ist
Bestehende Heizkörper mit Wärmepumpen betreiben: Wann reichen sie aus, wann muss ausgetauscht werden? Bewertungsschema für SHK-Profis.
Von Redaktion Pumpenprofi24 · Redaktion · veröffentlicht am 12. November 2025
Heizkörper und Wärmepumpen: Das Kompatibilitätsproblem
Ein häufiges Hindernis bei Wärmepumpeninstallationen im Bestand ist die Frage: Können die vorhandenen Heizkörper mit den niedrigeren Vorlauftemperaturen der Wärmepumpe betrieben werden? Die Antwort hängt von der spezifischen Anlage ab und erfordert eine systematische Bewertung.
Leistungsabfall bei niedrigen Temperaturen
Heizkörper sind für Normtemperaturen (75/65/20°C oder 70/55/20°C) ausgelegt. Bei niedrigeren Temperaturen sinkt die Wärmeleistung erheblich:
- Normtemperatur 75/65/20°C → Auslegungsleistung 100%
- Betrieb bei 55/45/20°C → ca. 63% der Nennleistung
- Betrieb bei 45/35/20°C → ca. 44% der Nennleistung
- Betrieb bei 35/28/20°C → ca. 29% der Nennleistung
Bewertungsschema für bestehende Heizkörper
Schritt 1: Ist-Leistung bei Normtemperatur ermitteln
Aus dem Typenschild oder dem Herstellerkatalog die Nennleistung des Heizkörpers ablesen.
Schritt 2: Raumheizlast bei aktueller Gebäudehülle berechnen
Mithilfe der Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 die aktuelle Raumheizlast ermitteln.
Schritt 3: Ausreichende Leistung bei WP-Temperatur prüfen
Heizkörperleistung bei geplanter WP-Vorlauftemperatur berechnen und mit Raumheizlast vergleichen. Ist die Heizkörperleistung ≥ Raumheizlast: kein Austausch nötig.
Typische Ergebnisse im Altbau
In der Praxis zeigt sich:
- Gut gedämmte Altbauten (WärmeschutzVO 1977 oder jünger): Heizkörper oft ausreichend, Vorlauf 50–55°C möglich
- Unsanierte Altbauten (vor 1960): Heizkörper meist zu klein für Vorlauf unter 60°C
- Baujahr 1977–1995: Einzelfallprüfung notwendig, oft Nachrüstung einzelner Räume
Alternativen zum vollständigen Heizkörperaustausch
- Heizkörpervergrößerung: Austausch einzelner Heizkörper (z. B. Wohnzimmer, Bad)
- Ventilatorkonvektoren: Zusätzliche Ventilatoren an Bestandsheizkörpern erhöhen die Wärmeabgabe
- Fußbodenheizung in Teilbereichen: Ergänzende FBH in Küche oder Bad
- Erhöhung der Vorlauftemperatur: Kompromiss zwischen Effizienz und Notwendigkeit
Wirtschaftliche Betrachtung
Die Kosten für Heizkörperaustausch sollten im Verhältnis zur Effizienzsteigerung bewertet werden. Eine Absenkung der Vorlauftemperatur um 10 K verbessert den COP um ca. 3–5%. Bei Anlagen mit 5.000 Volllaststunden pro Jahr und 5 kW Heizlast ergibt dies eine jährliche Stromeinsparung von ca. 150–250 kWh — ein überschaubarer Gewinn gegenüber hohen Austauschkosten.